Frühling... gibt's den auch noch?

Man kann es sich kaum vorstellen. Aber es ist Frühling!

Die Natur schert sich nicht um die Krise. Die Bäume stehen trotzdem in Blüte. Blätter sprießen, Lämmer werden geboren, kleine Enten schlüpfen aus dem Ei.

Aber es fühlt sich so anders an im Moment. Ich hoffe inständig, dass es euch allen einigermaßen gut geht. Ich denke, dass wir inzwischen alle jemanden in unserer Umgebung haben, der vom Coronavirus betroffen ist. Nicht unbedingt als Infizierter, aber vielleicht deswegen, weil man auf einmal sehr viel arbeiten muss... oder überhaupt keine Arbeit mehr hat. Oder man hat Menschen, die man im Moment nicht besuchen kann. Ich könnte diese Aufzählung endlos fortsetzen.

Aber sollten wir als Menschen nicht gerade auch jetzt versuchen, die vielen Knospen zu sehen, die im Moment oder demnächst aufblühen? Social Distancing fällt mir wahrlich nicht leicht, obwohl ich meine Familie bei mir habe und zu Hause bin. Aber ich vermisse den gelegentlichen Kaffeeklatsch mit einer Freundin, das Glas Wein unter Freunden oder den Restaurantbesuch mit der Familie. Das ist natürlich schon ein Opfer, das wir in diesen kritischen Zeiten bringen müssen.

Schauen wir einfach einmal, ob es nicht doch etwas gibt, das uns erfreut. Das uns aufblühen lässt. Dieser Stillstand kann einen auch näher zu sich selbst bringen. Ich merke, dass ich mehr Zeit und damit auch mehr Spielraum für Kreativität habe. Es macht mir gerade so richtig Spaß, einen Strickschal zu entwerfen. Das ist auch für mich etwas Neues. Und etwas, das hervorragend in diese Zeit passt.

Heute bin ich kurz durch die Stadt gegangen. Ich habe mir einen Kaffee bei einem Café geholt, das spontan einen Abholschalter geöffnet hatte. Ich habe eine neue Bluse abgeholt, die ich zu Hause anprobiert habe. Und ansonsten bin ich draußen geblieben. Auch die Bezahlung läuft anders. Dann war ich noch beim Bäcker. Der hatte Windbeutel gebacken, die man in den Niederlanden traditionell zum

Jahreswechsel isst. „Starten wir 2020 nochmal neu“ war sein Motto. Und dann lief mir noch der Bürgermeister von Delft über den Weg, der sehr um das Wohl der Unternehmer in Delft besorgt ist. Es war schon etwas Besonderes, mit ihm zu reden und zu merken, dass er wirklich mit uns mitleidet. Noch eine Flasche Wein gekauft für später. Wir versuchen, die lokalen Gaststätten, die jetzt alle nach Hause liefern oder bei denen man die Bestellung kontaktlos abholen kann, nach Kräften zu unterstützen.

Alles in allem: Für mich war heute ein guter Tag. Ich jedenfalls merke, dass so einige Knospen wachsen, die aufblühen können. Dieser Stillstand - eigentlich hat er auch etwas Positives. Es kann eine Zeit sein, in der die Inspiration wieder hochkommt. Und mehr Zeit zum Stricken und Häkeln zu haben, ist doch eigentlich auch eine feine Sache.

Wohin diese Zeit uns führt, wissen wir im Moment noch nicht. Aber hoffentlich sehen wir demnächst viele schöne Blätter und Blüten.